Geschichte des Da’an Parks in Taipeh

Der Da’an Park liegt im Herzen von Taipeh und ist mit 26 Hektar Fläche auch der größte öffentliche Park der Stadt. Der Chinesische Name 大安森林公園 (dà’ān sēnlín gōngyuán) heißt so viel wie Da’an Forstpark.

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Von seiner Gestaltung ist der Da’an Park mit einem Volks- oder Stadtgarten in Deutschland vergleichbar. Wobei im Vergleich mit anderen Stadt- oder Volksgärten in Deutschland der Da’an Park relativ klein ist. Einige Zahlen zum Vergleich:

Englischer Garten München 375 Hektar
Großer Tiergarten Berlin 210 Hektar
Rheinaue Bonn 160 Hektar
Grugapark Essen 70 Hektar
Volksgarten Köln 14 Hektar

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Im dicht bebauten Stadtgebiet bildet der Da’an Park eine wunderbare grüne Oase und ist äußerst beliebt für Freizeitaktivitäten aller Art. Wenn man heute durch den Park spaziert, fühlt es sich an, als sei er schon immer ein Teil der Stadt. In Wirklichkeit ist er relativ jung, denn er wurde am 29. März 1994 eröffnet. Wie es in dem Stadtteil früher aussah und wie der Da’an Park zum Da’an Park wurde, ist eine ziemlich interessante Geschichte.

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Die ersten Pläne für einen Park an dieser Stelle gehen auf das Jahr 1932 zurück. Damals noch unter der japanischen Besatzung wurden für Taipeh insgesamt 17 Parkanlagen geplant. Der Da’an Park sollte Park Nr. 7 werden. Durch den 2. Weltkrieg wurden die Pläne aber auf Eis gelegt.

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Das Luftbild* aus dem Jahr 1945 wurde vor der Bombardierung Taipehs durch die Alliierten (U.S. Air Force) aufgenommen. Da’an war damals noch sehr ländlich, dennoch sieht man schon das zukünftige Netz an Hauptstraßen. Die Nummern dienen der Orientierung:

1 = Xinsheng South Road (新生南路)

2 = Heping East Road (和平東路)

3 = Xinyi Road (信義路)

4 = Jianguo South Road (建國南路) und Jianguo Elevated Road (建國高架道路) werden hier entstehen.

5 = Heute ist hier die Jinhua Junior High School (金華國中). Aber schon 1945 war es eine Schule.

Auf dem Luftbild nicht deutlich sichtbar, ein Kanal, der ursprünglich ein Fluss war, in der Mitte der Xinsheng South Road. Der Kanal verläuft von Gongguan nach Norden und mündet zwischen Minzu Park (民族公園) und Xinsheng Park/ Taipei Flower Expo Park (花博公園 新生園區) in den Keelung River. Heute folgen die Xinsheng South Road und Xinsheng Elevated Road genau dem alten Verlauf und an der Mündung existiert der Kanal noch. Ob der Kanal heute noch komplett existiert oder nur noch zum Teil konnte ich nicht herausfinden. An der Xinsheng South Road in Gongguan, nicht weit vom Haupteingang zur National Taiwan University, steht eine Tafel die an den alten Kanal erinnert.

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Auf der Tafel steht: 瑠公圳原址 (liú gōng zhèn yuánzhǐ) was in etwa heißt: der Ort des Liugong Kanals.

Im Mai 1956 wurden die Pläne wieder aufgenommen und das Gebiet zwischen Xinsheng South Road im Westen, Xinyi Road im Norden und Heping East Road im Süden offiziell als Gelände für den Da’an Park ausgewiesen.

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In nur 12 Jahren hat sich die Gegend stark gewandelt und wurde nahezu komplett bebaut. Auf dem Gelände wurden Häuser für die Soldaten der KMT-Truppen errichtet, daneben aber auch das International House und zahlreiche illegale Wohnhäuser.

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Das Gelände wurde weiter bebaut. Im östlichen Teil gab es noch freie Areale. Die Moschee (Pfeil) wurde inzwischen errichtet.

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Die Bebauung wurde immer dichter, es entstanden mehr und mehr kleine Häuser. Der Kanal in der Mitte der Xinsheng South Road wurde entfernt und die Straße verbreitert.

Im April 1974, fast 20 Jahre nach den ersten Beschlüssen, begannen die konkreten Planungen zum Bau des Da’an Parks.

In den 1980er Jahren kam es zu zahlreichen Diskussionen zwischen der Stadtverwaltung, Bürgerinitiativen und Umweltschutzgruppen zum Bau eines Stadiums im Da’an Park. Da es in Taipeh zu der Zeit noch kein großes Stadium gab, bot sich der Park als Ort für ein Stadium mit maximal 30.000 Plätzen an. Umweltschutzgruppen hielten dagegen und forderten einen reinen Park, so wie es im Bebauungsplan auch vorgesehen war. Weitere Argumente gegen das Stadium waren u.a. hohes Verkehrsaufkommen, Probleme bei der Finanzierung und Änderungen des Bebauungsplans. Nach zahlreichen Diskussionen, Umfragen und Gutachten, hat die Stadtverwaltung im März 1989 beschlossen den Da’an Park als reinen Park zu gestalten, so wie es auch ursprünglich geplant war. Im Juni 1989 wurde der Abriss der Gebäude auf dem Gelände des zukünftigen Da’an Parks beschlossen.

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Kurz vor dem Abriss der Gebäude. Das Gelände war vollständig und dicht bebaut. Jianguo South Road und Jianguo Elevated Road begrenzen jetzt den östlichen Teil des Parks.

Guanyin Statue im Da'an Park in Taipeh

Im Februar 1994 kam es zu Protesten gegen die Entfernung der Guanyin Statue. Die Guanyin Statue (持珠觀音) in der nordwestlichen Ecke des Parks ist das einzige Relikt aus der Zeit vor dem Da’an Park. Sie wurde 1985 vom bekannten taiwanesischen Bildhauer Yuyu Yang (楊英風) gestaltet. Mehr zu seinem Schaffen hier. Mit dem Abriss der alten Gebäude sollte auch die Statue entfernt werden. Dagegen gab es heftige Proteste, so dass am Ende die Statue im Park verblieb. Damit die Guanyin Statue aber nicht zu einer Gebetsstätte von Buddhisten wird und nur schwer zu finden ist, wurde dichter Bambus um sie herum gepflanzt. Später wurden Teile des Bambus durch einen Taifun zerstört und die Guanyin Statue ist jetzt wieder sichtbar. Ursprünglich war die Statue aus Bronze und wurde später weiß überstrichen.

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Auf dem Schild neben der Statue steht sinngemäß: Diese Statue ist ein Kunstwerk und wurde von den Bürgern der Stadt gestiftet. Bitte hier keine religiösen Aktivitäten wie z.B. Opfergaben niederlegen, Räucherwerk verbrennen oder beten.

Dennoch kann man heute viele Parkbesucher vor der Statue beten sehen.

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1994 wurde der Park fertiggestellt und im März eröffnet. Die jungen Bäume  fallen im Luftbild kaum auf. Vom alten Gelände wurde absolut nichts übernommen, außer die Guanyin Statue. Die Straßen und Eingänge zum Park orientieren sich nicht am alten Gelände. Es wurde wirklich alles neu gemacht.

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Nach 15 Jahren sind die Bäume gewachsen und der Park sieht wie ein Park aus. Auf der Nordseite ist die Baustelle für die Tamsui-Xiangshan MRT Linie und die MRT Station Da’an Park zu sehen.

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Das Luftbild von 2015 zeigt den jetzigen Zustand des Parks.

Obwohl viel Zeit in die Planung des Parks investiert wurde, hat man bei der Umsetzung einen gravierenden Fehler gemacht. Die Bäume im Da’an Park wachsen nicht so hoch wie nach 22 Jahren zu erwarten wäre und an einigen Stellen im Park wachsen sie gar nicht. Das Problem liegt am Boden, der mit nur 60-75 cm zu geringmächtig ist. Damals wurden nur die Häuser abgerissen und eine relativ dünne Schicht neuer Boden aufgetragen. Man hat aber nicht daran gedacht, die Betonfundamente der alten Häuser oder mögliche Altlasten aus dem Boden zu entfernen. Die alten Fundamente stellen jetzt eine Barriere für die Wurzeln dar und hemmen das Wachstum der Bäume. Ein Problem ist, das der Park damals von Bauingenieuren geplant wurde, aber keine Gartenbauexperten, Botaniker oder Baum-Experten mit einbezogen wurden. Seit 2014 versucht man mit Fachleuten aus Japan die alten Fehler zu beheben und das Wachstum der Bäume zu verbessern. Zwei Zeitungsartikel (in Chinesisch) zu diesem Thema hier und hier.


*Luftbildquellen

Alle Luftbilder stammen von der Internetseite „Taipei Historical Maps“ vom Department of Urban Development.

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