Kühe in bizarrer Landschaft – Oder wie in Taiwan etwas plötzlich populär wird

„The Men Who Stare at Goats”, ein Film mit George Clooney aus dem Jahr 2009, würde als alternativer Titel für diesen Beitrag auch gehen. Der Film war vielleicht genauso bizarr wie die Kühe und Menschen in Linkou.

Juni 2016

An einem Sonntag im Juni 2016, bei bestem Sommerwetter, war ich mit einem Freund und Kollegen von der National Taiwan University an der Westküste Taiwans unterwegs. Wir haben damals nach Orten für Geländearbeit und Probennahme gesucht. Nicht weit vom Linkou Kraftwerk haben wir diese bizarre Erosionslandschaft gesehen, in der sich ein Fluss in alte Flussterrassen und vermutlich auch marine Ablagerungen eingeschnitten hat.

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Blick auf die nördliche Seite des Tals. Hier war wahrscheinlich eine Sand- oder Kiesgrube. Durch den Abbau sind die Sedimentstrukturen jetzt sehr gut erkennbar. (Für eine größere Ansicht auf das Bild klicken.)

Als Geologe springt man da natürlich sofort drauf an und haben einen Zwischenstopp eingelegt. Wir haben uns ein wenig dort umgesehen, fanden es interessant und haben dann unsere Tour fortgesetzt.

Bizarr war eigentlich auch die gesamte Gegend. Industrieanlagen, Highway und mittendrin ein riesiger Tempel.

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Blick auf die südliche Seite des Tals. Die Gegend lädt zum Wandern und Erforschen ein. (Für eine größere Ansicht auf das Bild klicken.)

Mai 2017

Es war langes Wochenende und meine Frau und ich suchten nach einem Ziel für einen kurzen Tagesausflug. Sie sagte, dass es jetzt bei Linkou eine neue Attraktion gibt. Eine Landschaft die angeblich ähnlich wie Caoshan Moon World bei Tainan sein soll. Als sie das sagte, hatte ich schon einen Verdacht. Obwohl Moon World und die Landschaft in Linkou nicht wirklich ähnlich sind. Als sie mir dann Fotos von einer Freundin, die vor kurzem dort war, zeigte, hat sich mein Verdacht bestätigt. Da ich es von meinem ersten Besuch schon ziemlich interessant fand, stand der Entschluss schnell fest und wir sind dorthin gefahren.

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Als wir dort ankamen war ich nicht wirklich überrascht, da ich einfach schon zu lange in Taiwan lebe. Es war voll mit Menschen und Kühen. Die Kühe weideten auf einer kleinen Grasfläche zwischen einem Fluss und den Hügeln. Zwischen den Kühen liefen die Taiwaner herum und machten Selfies. Man sollte auch wissen, dass Kühe in Taiwan nicht üblich sind. Sie sind für Taiwaner etwas unglaublich exotisches und spektakuläres. Also kein Wunder, dass es dort so voll war.

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Skurril fand ich auch, dass die meisten Leute in schicken Klamotten einfach in der Landschaft herumstanden und z.T. aussahen, als ob sie nicht wissen was hier sollen. Dabei ist es ein Ort, der zum Wandern und Erkunden nur so einlädt.

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Wer die Kühe sehen will, oder einfach nur dort wandern möchte, hier ist der Ort:

Bei der Anfahrt darauf achten, dass man nicht auf dem Highway 61 fährt, sondern auf der Landstraße 15. Es gibt dort keine Abfahrt vom Highway. Viele parken ihr Auto bereits auf der Landstraße und laufen dann zu den Kühen. Davon rate ich dringend ab, da es zu gefährlich ist. Von der Landstraße führt ein Abzweig zu einem Parkplatz direkt am Fluss. Besser dort parken und dann die Gegend erkunden. Es gibt zwar einen Bus (F236) der von Linkou dorhin fährt, aber er hält dort nur alle 2 oder 3 Stunden. Daher ist es am besten, wenn man mit dem Auto oder Scooter anreist.

Was ich mit der Geschichte auch zeigen will

Über die Jahre habe ich in Taiwan ein kurioses Phänomen beobachtet. Es kommt hier sehr oft vor, dass etwas, was vorher keinen müden Hund hinter dem Ofen hervor gelockt hat, plötzlich sehr populär wird. Aber genauso schnell wie die Popularität aus dem Nichts kam, verschwindet sie oft auch wieder im Nichts. Nicht nur jetzt mit dieser Landschaft und den Kühen.

In den letzten Jahren konnte ich so einige Trends kommen und gehen sehen. Zum Beispiel gab es vor 2-3 Jahren eine Phase in der Softeis unglaublich beliebt war. Auf einen Schlag, gab es, zumindest in Taipeh, überall Softeis zu kaufen. Viele kleine Läden machten auf und verkauften das Eis. Sogar Family Mart und 7-eleven sprangen auf den Zug auf und verkauften Eis in den convenience stores. Bei neuen Geschmacksrichtungen gab es immer lange Schlangen und das Eis war schnell ausverkauft. Aber nach nur einem Sommer war alles vorbei.

Ein anderes Beispiel ist das Spiel Pokemon Go. Letztes Jahr war man hier total verrückt danach. Nach meinem Gefühl hat es so gut wie jeder hier gespielt, inklusive mir. Der Pokemon Go Hype gipfelte dann darin, dass hunderte Spieler Parks oder ganze Straßen blockierten und die Polizei einschreiten musste. Hier ist ein Video, dass diese Situation illustriert:

Zum Glück ist der Pokemon Trend schon seit einiger Zeit wieder vorbei. Aber ich trauere noch immer dem Eistrend hinterher. Mal abwarten was der nächste große Trend hier in Taiwan sein wird.

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2 thoughts on “Kühe in bizarrer Landschaft – Oder wie in Taiwan etwas plötzlich populär wird

  1. Interessante Lektüre, Alex! Logistischer Hinweis: Von LinKou (der Schlafstadt am Hwy 1 bzw an der neuen MRT zum Flughafen) kommt nicht hin, außer man fährt selbst.

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    1. Danke fuer deinen Hinweis. Ich habe nochmal gegoogelt und es gibt tatsaechlich einen Bus (F236) der von Linkou dorthin faehrt. Der Bus faehrt aber nur alle 2 oder 3 Stunden. Ist also keine wirklich gute Verbindung. Anreise mit Auto, Scooter oder Fahrrad ist am besten.

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